Neue Bildersuche: Google wird vertragsbrüchig

by Jojo on 29.01.13 · 12 comments

in Google

Google Bildersuche evil

Die neue Bildersuche von Google macht grade kleine Schlagzeilen. Martin hat dazu bereits eine ganze Artikel-Serie veröffentlicht und eine Protest-Seite gestartet. Auch Pip hat dazu bereits einen ausführlichen Beitrag parat. Auf Webmasterworld berichten erste Nutzer mit viel Bilder-Traffic von Traffic- und Umsatzeinbrüchen. Selbst Spiegel Online hat das Thema aufgegriffen.

Ich will mich hier gar nicht lange mit Details der neuen Bildersuche aufhalten. Das haben andere schon zu Genüge getan. Auch interessiert mich nur bedingt, dass die neue Bildersuche wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht den Weg auf Google.de finden wird. Etwaige Prozeße können eigentlich nur negativ für Google ausgehen. Auch wenn Gerichte natürlich immer wieder für üble Überraschungen gut sein können. Der im Spiegel Online-Artikel zitierte Anwalt Christian Solmecke scheint zumindest dieser Meinung zu sein. Interessant dazu auch das Thumbnail-Urteil des Bundesgerichtshofes.

Womit wir dem eigentlichem Thema dieses Beitrages etwas näher kommen. Denn offensichtlich hat sich der Bundesgerichtshof dabei weniger am Recht, als mehr am gesundem Menschenverstand orientiert oder auch den seit jeher im Internet herrschenden Praktiken, Spielregeln und unausgesprochenen Vereinbarungen. Denn zwischen Webseiten- und Suchmaschinenbetreibern gibt es einen Vertrag. Keinen Vertrag auf Papier oder auch nur eine mündliche Verabredung. Die meisten werden sich darüber auch noch nie große Gedanken gemacht haben.

Dieser Vertrag sieht vor, dass die Suchmaschine sich mit ihren Spidern durch die Webseiten fressen darf. Die erste kleine Einschränkung dabei ist, dass sie dabei nicht Amok läuft und die Server des Seitenbetreibers überfordert. Auf der anderen Seite kann und muss der Webseitenbetreiber vorgeben, welche Inhalte genutzt werden dürfen. Das kann zum Beispiel über die robots.txt erfolgen. Daneben gibt es noch einige weitere Möglichkeiten der Einflußnahme.

Ansonsten sind aber alle öffentlichen Inhalten – ob Texte, Bilder oder Videos – nach Lust und Laune zugänglich. Diese darf die Suchmaschine dann analysieren und ihrem Suchindex zuführen. Im Endergebnis entstehen dann die Suchergebnisse. Hier verwenden die Suchmaschinen dann kurze Ausschnitte von Texten als Snippets, Standbilder als Vorschau für Videos oder Thumbnails als Vorschau auf Bilder. Gegen dieses Vorgehen hat eigentlich niemand „ernstzunehmendes“ etwas einzuwenden. Diese Meinung vertreten sogar deutsche Gerichte. Doch an diesem Punkt wird Google nun „vertragsbrüchig“. Klickt der Nutzer auf das Thumbnail gelangt er nicht zur Seite des Webseitenbetreibers, sondern ihm wird eine große Version gezeigt. Von hier mag er dann vielleicht/eventuell/unter Umständen noch zur Webseite durchklicken. Google nimmt sich dann sogar noch die Frechheit heraus, dieses als Verbesserung für den Webseitenbetreiber zu verkaufen. Man wird nicht nur „vertragsbrüchig“, man versucht auch noch hinters Licht zu führen.

Um den unausgesprochenen Vertrag zwischen Webseitenbetreibern und Google noch kurz auf den Punkt zu bringen:

  • Webseitenbetreiber liefert Google Inhalte
  • Suchmaschinen bereitet diese in Form von kurzen aber aussagekräftigen Vorschauen für Suchende auf
  • Suchende sehen die Vorschau und klicken bei Interesse auf den Link zur liefernden Seite
  • Webseitenbetreiber verdienen am Besucher Geld und können so noch mehr Inhalte liefern
  • Google verdient sich an AdWords „dumm und dämlich“

Oder noch kürzer gesagt: Inhalte gegen Traffic.

Aus deutscher Sicht erscheint das alles noch relativ harmlos. Die Wahrscheinlichkeit für einen Deutschlandstart der neuen Bildersuche erscheint mir gering. Aber am Ende geht es nicht darum, ob wir vielleicht das Glück von schützenden Gesetzen haben. Denn Google wird diese neue Bildersuche natürlich trotzdem in vielen anderen Ländern ausrollen und nur weil es dort vielleicht keine rechtliche Handhabe gibt, macht es das ja nun nicht plötzlich richtig. Denn damit ist Google vielleicht nicht im rechtlichem Sinne „vertragsbrüchig“ geworden, aber im ethischem ganz sicherlich. Der einstige informelle Google-Slogan „Don’t be evil“ mag einem da heute wie blanker Hohn erscheinen … Auf der anderen Seite zeichnen sich Unternehmen eher selten durch ihre Ethik aus. Dazu gibt es im Zweifel Gesetze. Vielleicht sollte man sich in anderen Ländern dazu mehr Gedanken machen und Google öfters auf die Finger schauen.

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