Im vergangenem Jahr haben wohl “SEO-Erpressungen” die Runde gemacht. Öffentlich wurde der Fall holzspielzeug-discount.de. Hier wurden als erstes ordentlich Links aus Foren gesetzt. Als Linktexte wurden hier Porn, Viagra und die weitere Bandbreite der PPC-Thematiken verwendet. Vermutlich mit Xrummer oder einem ähnlichem Tool. Es folgten Erpressungsversuch und der Rankingabsturz.
Es erscheint manchem vielleicht zweifelhaft, ob es wirklich Sinn macht die Erpressung erst umzusetzen und dann anzudrohen. Auf der anderen Seite würde man einen Erpresser bei umgekehrter Vorgehensweise wohl auch nicht ernst nehmen. So erpresst man allerdings mit etwas, dass man nicht mehr rückgängig machen kann. Man kann bestenfalls noch androhen es noch schlimmer zu machen. Naja …
Aktuell wird der Fall noch einmal in die Öffentlichkeit getragen. Holzspielzeug-Discount hat ein ganz interessantes Gutachten dazu erstellen lassen und selbst noch einmal eine Pressemitteilung rausgegeben.

Das Gutachten beschränkt sich auf das wesentliche und nennt die wichtigsten Punkte ohne sich dabei 100 prozentig festzulegen. Das kann man bei seriöser Arbeitsweise natürlich auch nicht machen ohne den Google-Algo persönlich in Augenschein genommen zu haben … ein paar Anmerkungen:
- Bei einer kleinen Linkanalyse kommt bei mir schnell der Eindruck auf, dass auch die eigenen SEO-Maßnahmen nicht immer von erster Güte waren bzw. auch noch sind. Linkbuilding für einen Onlineshop ist natürlich immer eine besondere Herausforderung. Aber größtenteils so offensichtlich nicht freiwillig gesetzte Textlinks aus Footern, Seitenleisten und Blogtexten müssen 2012 nicht mehr unbedingt funktionieren.
- Der Absturz ist im wesentlichem erst einmal sehr gering ausgefallen. Von einem Sistrix Sichtbarkeitsindex in Höhe von 0,95 ging es auf ein Dezember-Tief von 0,70. Ich weis nicht, ob man den Dezember-Umsatzrückgang in Höhe von 60 Prozent komplett dafür verantwortlich machen kann? Das wäre selbst wenn der Umsatz zu 100 Prozent aus SEO-Maßnahmen stammen würde, doch etwas sehr viel.
- Im Januar setzt sich der Absturz verschärft fort. Im Gutachten wird hier allerdings ein komplettes Redesign mit Shop-Softwarewechsel Ende Dezember ins Spiel gebracht. Ich hab Zweifel ob man an dieser Stelle die Forenlinks noch ins Spiel bringen sollte.
Um auf die Titelfrage dieses Blogpost “Sind die SEO-Erpresser schuld?” zurückzukommen. Die Frage lässt sich natürlich nicht wirklich zufriedenstellend beantworten. Da der Sichtbarkeitsindex allerdings unmittelbar nach setzen der Links eine gut sichtbare Entwicklung nach unten nimmt, muss man das wohl vermuten (mehr aber auch nicht). Die Auswirkungen dürften sich aber in Grenzen halten. Ohne Umstellung der Shop-Software wäre man vielleicht schon wieder am Ausgangspunkt. Wäre die Domain linktechnisch besser aufgestellt gewesen, hätte es vielleicht überhaupt keine Auswirkungen gegeben. So darf man sich immerhin noch Hoffnungen machen, von der Berichterstattung um den Fall zu profitieren …
Golem hat den Fall aktuell noch einmal aufgegriffen:
Es könne “nicht weiterhin so sein, dass in dieser für das wirtschaftliche Überleben von Firmen wesentlichen Frage des Google-Ranking lediglich Orakel und Vermutungen das Sagen haben!”, heißt es in einem Suma-Newsletter vom 3. Februar 2012.
Richtig! 100 Prozent Zustimmung! Meine Antwort ist aber vermutlich eine andere als die des Suma e.V. – macht euch nicht von Google abhängig!


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Danke für die Zusammenfassung Johannes! Ich hatte zuvor nicht von der Sache gehört. Das letzte was mir zu solchen Stories zu Ohren kam, war die Click Fraud Erpressung durch Russen. Die drohten damit, massiv viele Klicks auf AdSense Anzeigen zu machen, bis der Betroffene vom Google Service ausgeschlossen wird.
Beide Themen lassen in mir gleichzeitig Ärger über die Rücksichtslosigkeit von kriminiellen Köpfen, sowie Belustigung wegen des Videos von Jessi Slaughters Vater. Wenn die Kriminalität zunimmt und “wichtige” Personen oder Firmen betroffen sind, wird in Zukunft auch eine Cyber Police geschaffen, die mutmaßliche Täter backtraced.
Ob man die Höhe eines eventuellen Schadens überhaupt anhand des Sistrix Sichtbarkeitsindex feststellen kann, ist fraglich aber mal im Ernst, das Ding mit den bad-links funktioniert nicht mehr zumindest kann ich das aus eigener Erfahrung bzw. Tests ruhigen Gewissens behaupten.
MfG
@Marc André Gebauer … nun die Sache mit den Links habe ich auch einmal ausprobiert und muss sagen richtig angestellt kann man damit einer Domain (bzw. in meinem Fall bestimmten Unterseiten und bestimmten Keywords) durchaus schaden. … damit hier jetzt keine Gerüchte aufkommen der Psychic-SEO schadet anderen Leuten – es war ein Experiment während eines SEO-Contests von mir und gezielt habe ich auf die eigenen Seiten
Mein Experiment war zwar zwar ein wenig anders aufgebaut als die “Erpresser” hier vorgegangen sein wollen – aber man kann durchaus noch negative Einflüsse durch Links erzeugen.
Zu dem aktuellen Fall teile ich aber Johannes Meinung – falls(!) für den Sistrix-Abfall tatsächlich die Erpresser-Links die Rechnung zahlen, möchte ich doch die Zweifel in den Raum stellen, dass diese an den massiven Einnahmeverlust Schuld haben (außer die kompletten vorherigen Einnahmen kamen nur durch organischen Traffic über ein(!) oder einige sehr wenige Keywords zustande, die weggefallen sind – aber dann war die SEO-Strategie eh für den Ar…).
Zur Ergänzung: Hier noch der Chart zur SEO DIVER Statischen Sichtbarkeit von http://www.holzspielzeug-discount.de
http://www.psychic-seo.de/files/holzspielzeug-sichtbarkeit.png
@Psychic SEO
Du hast völlig recht, grundsätzlich ist es möglich einer Webseite mit Bad-Links zu schaden. Das erfordert doch aber schon weitgehende Kompetenzen im bereich Linbuilding
wenn ich mir jetzt aber diese ganzen bekannten Fälle anschaue …
– Du musst aber zugeben, dass eine Seo Contest nicht die idealen Testbedinungen gibt. –
weiter zum Thema
Hast du dir das Linkprofil von diesem Online Shop mal angesehen? Das ist doch grauenvoll, eintweder … nein, da kann keine Seo Agentur beteilligt gewesen sein. Wenn die Leute immer denken, sie könnten alles selbst und dann noch besser ….
Relativ neuen Domains kannst du ziemlich einfach schaden aber bei einem anständigen Linkprofil ist das sehr schwierig und ein anständiges Linkprofil kannst du innerhalb von 6 Monaten aufbauen. Dann passiert nämlich folgendes -) die Bad-Links sind einfach viel zu minderwertig um zu schaden. Man benötigt also Backlinks mit Qualität um einfluss zu erlangen …
MfG
In meinen Augen sieht das ganze nach einem Linkbait- Versuch der Betreiber aus. Wieso sollte ein Erpressungsversuch statt gefunden haben, wenn die Links bereits gesetzt wurden. So doof ist ja auch kein Erpresser…
Und das der gesamte Umsatzrückgang auf den Ranking-Abfall geschoben wird, das macht für mich einen höchst unseriöseren Eindruck…
Summa Summarum: Ein Linkbait- Versuch der nach hinten losging!
@Dave Mayermann
Niemand verlinkt seinen Shop mit Viagra oder Porno ggf. Sex oder so, das ist sehr unrealistisch.
MfG
Ich glaube nicht, dass dies ursprünglich als Linkbait geplant war! Ich denke eher, dass hier etwas ins Rollen kam, was man so gar nicht im Fokus hatte.
Die zweite Pressemitteilung, in welcher auch das Gutachten enthalten ist, ist meiner persönlichen Meinung nach ganz gezielt veröffentlicht wurden. So konnte man der ganzen Sache noch etwas mehr an PR rauskitzeln.
Inhaltlich kann ich der Pressemitteilung leider nicht ganz folgen bzw. Nachvollziehen. Ich persönlich finde es auch nicht besonders schlau diese so (Umsatzeinbrüche etc.) zu veröffentlichen. So sehen potenzielle Straftäter gleich, dass dies unter Umständen ein erfolgreiches Druckmittel für Erpressungen ist. Abgesehen ob es funktioniert oder nicht. Selbst die Shop-Betreiber verunsichert dies doch enorm. Was sollen Sie den jetzt machen, wenn eine solche Erpressung stattfindet?! Ich meine, dass Shopbetreiber durch so etwas stark verunsichert werden und die potenziellen Täter bestärkt.
Bezüglich des Abrutschens (will mal nicht Absturz sagen) kann ich meinem Kommentar bei Eisy (http://www.eisy.eu/holzspielzeug-discount-de-mit-spam-links-in-den-abgrund-getrieben-sehe-ich-anders-00291/) nur wiederholen.
Das es nun letztendlich soweit runter ging ist auf jedemfall aber auch den Relaunch zurückzuführen. Es sind laut Gutachten wohl 301 erstellt worden, aber solange es noch solche Seiten (http://www.holzspielzeug-discount-shop.de/) im Index gibt, wird es wohl erstmal etwas schwieriger werden die Sichtbarkeit von vorher zu erreichen. Hilfreich werden natürlich all diese PR-Link sein
Viele Grüße
Der “Sichtbarkeitsindex” ist völlig irrelevant, nicht nur in diesem Falle.
Mir ist bislang völlig unverständlich geblieben, wie man ein mehr oder weniger willkürliches Software-Konstrukt ernsthaft zur Einschätzung von Ist- bzw. Vermeintlich-Ist-Zuständen heranzieht und dafür auch noch (nicht gerade wenig) Geld bezahlt.
So ein Tool wäre nur von einem Anbieter sinnvoll: Google.
Und die werden einen Teufel tun.
Insofern: Sturm in der Glaskugel.
Ich bin jedenfalls gespannt wie die Sichbarkeit der Domain in Zukunft verläuft und ob sich die PR-Links postiv auswirken. Komisch ist auf alle Fälle, dass zuerst die Links gesetzt wurden und dann erst der Anruf kam….
Von der ganzen Geschichte habe ich nichts mitbekommen, ist aber krass was es alles gibt. Aber so wie es eben scheint, gibt es in jeder Branche schwarze Schafe, da macht auch das SEO keine Ausnahme. Bin gespannt wie sich jetzt das für die eine Domain weiterentwickelt.
Ich hab bislang auch nichts davon mitbekommen, bin mir aber ziemlich sicher, dass man mit xRumer und relaitv wenig Arbeitseinsatz einigen kleinen Online Shops schaden kann. Die großen Shops würden mit guter Linkstruktur und Arbeitsweise denke ich nicht viel Schaden nehmen. Stimme Johannes und Eisy mit ihren Artikeln also durchaus zu. Richtig arbeiten, nicht von Google abhängig machen und das Theater ist im nachhinein nur halb so groß!