Hat Google den Rubikon überschritten?

by Jojo on 10.01.12 · 6 comments

in Google

Google hat heute eine starke Überarbeitung der personalisierten Suche vorgestellt. Die Detailerklärung überlassen wir mal besser Search Engine Land. Ich persönlich sehe für mich persönlich bisher keinen großen Nutzen durch die Einbindung der von meinen Kontakten empfohlenen Seiten bzw. Informationen. Nun lässt sich die personalisierte Suche, aber relativ einfach an- und abschalten. Aus Marketingsicht hat man hier ein schönes neues Werkzeug um sich in den Suchergebnissen möglichst weit vorne zu positionieren und das Beackern von Google+ mit eigenen Pages macht damit großen Sinn.

Trotzdem sorgt die neue Einbindung für einen kleinen Aufschrei und den Tonfall wird Google überhaupt nicht mögen: Antitrust. Google versucht schon länger sein bestens, um ein “Microsoft-Erlebnis” zu verhindern. Aber es scheint mir schon länger unweigerlich darauf hinaus zu laufen. Ich hätte nun allerdings nicht unbedingt für diesen Fall eine größere Aufregung erwartet. Twitter hat sich als erster beklagt:

For years, people have relied on Google to deliver the most relevant results anytime they wanted to find something on the Internet.

Often, they want to know more about world events and breaking news. Twitter has emerged as a vital source of this real-time information, with more than 100 million users sending 250 million Tweets every day on virtually every topic. As we’ve seen time and time again, news breaks first on Twitter; as a result, Twitter accounts and Tweets are often the most relevant results.

We’re concerned that as a result of Google’s changes, finding this information will be much harder for everyone. We think that’s bad for people, publishers, news organizations and Twitter users.

Ich sag mal selber Schuld. Details sind zwar nicht sicher, aber Twitter und Google konnten sich damals wohl auch wegen des Geldes nicht auf eine weitere Zusammenarbeit einigen. Davon abgesehen nimmt Twitter sich hier auch ein wenig zu wichtig …

Google - People-and-PagesWirklich spannend wird es aber, wenn Danny Sullivan Google kritisiert. Das macht er in der Regel nur gut dosiert und wohlüberlegt. Er kritisiert vor allem die “Werbebox” für Google+-Accounts (rechts im Bild). Diese bewirbt exklusiv nur das Google-Netzwerk. Dem kann man nun nicht wiedersprechen.

Facebook und Twitter haben sich ihre Einbindungen in die Google-Suche vor allem auch selber verbaut. Hätte man sich frühzeitig auf Google zubewegt, hätten wir heute vielleicht nicht einmal ein Google+. Stattdessen bändelte Facebook mit Bing an und ich wüßte nicht welchen Nutzen mir das bisher gebracht hätte? Aber der Zug ist ohnehin abgefahren …

Es scheint zukünftig für Google immer mehr auf kartellrechtliche Problematiken hinauszulaufen. Microsoft hatte damals den Internet Explorer kurzerhand tief in das eigene System integriert. Solche Integrationen seiner Produkte macht Google ja heute auch am laufendem Band. Im Gegensatz zu Microsoft hat man in den meisten Fällen auch gute Argumente dafür und ist in den letzten Jahren oft mit lächerlichen Vorwürfen konfrontiert worden. Aber immer wieder und wohl auch öfters wird man den Bogen in kleinen Schritten überspannen, bis es dann doch knallt …

Es erscheint mir aber ziemlich schwierig, mir auszumalen wie man dann Google wirklich belangen könnte. Selbst Milliardenstrafen sind für die Konzerne nur eine Momentaufnahme und schnell Vergangenheit. Und einen so miteinander verwobenen Konzern wie Google kann man auch schwer zerschlagen. Was ich angesichts der Tatsache, dass sich Google nun nicht wirklich viel zuschulden kommen lassen hat (und kommen lassen wird), auch für utopisch halte.

Das Thema dürfte uns über das Jahr noch öfters beschäftigen …

P.S. Der Rubikon musste sein ….

{ 5 trackbacks }

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1 Rudolf Bösiger 13.01.12 um 15:56

Mir wäre es lieber wenn sich Google nicht mit Facebook und Twitter messen würde sondern sich mit direkten Konkurrenten auseinandersetzen müsste, Google’s Output wäre produktiver.

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