Eine Welt ohne Google-Referer?

by Jojo on 23.10.11 · 11 comments

in Google

Google ist auf die grandiose Idee gekommen, das Referer-Daten in einer Welt mit personalisierter Suche ein Problem sein könnten. Ich sehe das nun ehrlich gesagt nicht ganz so problematisch. Und Google wohl in Wirklichkeit auch nicht, denn man hält es gleichzeitig für kein Problem, wenn man den AdWords-Werbetreibenden weiterhin die Referer-Daten übergibt. Geht an dieser Stelle ja auch um den eigenen Geldbeutel … Ich weis auch nicht, ob es jetzt wirklich so ein großer Gewinn für die Privatsphäre ist, wenn Google diese Daten nicht mehr rausgibt. Aus Sicht eines Webseitenbetreibers muss ich da sagen: Wenn ein Nutzer meine Seite über “SEX XYZ” besucht muss ich nicht wirklich auch noch wissen, dass er darauf über eine Suche nach “Sex mit einem XYZ” gekommen ist …

Konkurrierende Werbenetzwerke verlieren
Es gibt allerdings Ideen die diese Entscheidung von Google in einem ganz anderem Licht erscheinen lassen: Auf meiner Seite eingebundene “dritte” erfahren auch nicht mehr, über welche Suche der Nutzer zu mir gekommen ist. Das ein oder andere Werbenetzwerk greift an dieser Stelle aber wohl massiv Daten über Nutzer ab. So stimmt es dann seine Werbung besser auf diese ab. Damit entsteht nun für die Zukunft ein noch größeres Ungleichgewicht. Google wird sicherlich nicht damit aufhören, AdSense-Anzeigen auch mit den getätigten Suchen der Nutzer abzustimmen. Alle anderen Plattformen sind an dieser Stelle dann ausgeschlossen. Letztlich verschafft Google sich für seine Ambitionen im Display-Advertising also einen Riesenvorteil gegenüber der Konkurrenz.

Seo-Toolanbieter gewinnen
Davon abgesehen dürften durch diesen Schritt auch die SEO-Toolanbieter wieder einmal gewinnen. (Die gewinnen aktuell ja bereits durch die Abschaltung der Yahoo-Links an Bedeutung.) Bisher haben mir die Referer recht einfach Auskunft darüber gegeben, zu welchen Keywords ich gefunden werde. In einer Welt ohne Referer werde ich hier auf ein SEO-Tool zurückgreifen müssen. Da liefert Google mit den Webmaster-Tools zwar auch selber ein klein wenig was, aber mir würde das nicht aureichen. Jetzt kann man natürlich argumentieren, das einzelne Positionsabfragen durch die personalisierten Suchergebnisse unspannend werden. Dem würde ich aber wiedersprechen. Erstens werden nie alle Suchergebnisse hier beeinflußt sein und zweites bekommt man so immerhin noch eine Basis für das eigene “Standing”.

Und?
Betrachtet man das Thema nur aus Sicht des Schutzes der Privatsphäre, dann kann man über diesen Schritt grundsätzlich nicht meckern. Problematisch ist nur, das Google alles zum Schutz der Privatsphäre übernimmt – solange es nicht den Interessen von Google entgegensteht. Konsequent wäre es, wenn …
… Google die Referer nicht weiter an AdWords-Werbetreibende geben würde … selber insgesamt weniger Daten sammeln würde … die Daten schneller vernichten würde … intern weniger Daten anwenden würde … insbesondere auch dann, wenn nur Google aber nicht der Nutzer davon einen Vorteil hat (Stichwort AdSense).

Man wird ja noch träumen dürfen. Der Trend geht eher ins Gegenteil. Google sammelt selber immer mehr Daten. Bei Google+ geht es nur bedingt darum Facebook die Social Advertising-Milliarden streitig zu machen. Viel wichtiger ist es das eigene Suchgeschäft abzusichern – für den Fall das Facebook und Bing ihre Daten mal sinnvoll zusammenbringen. Nicht weniger spannend sind diese Daten dann zum Beispiel für den Display-Bereich. Man erfährt viel über die Interessen, aber auch simples wie Alter und Geschlecht. Und schließlich wird man sich dann auch irgendwann mit Facebook balgen …

Für den Moment betrifft die Änderung nur eingeloggte Google.com-Nutzer. Aber Google wird hier sicherlich Stück für Stück ausbauen.

Mehr zum Thema:
Danny Sullivan auf SEL: Google To Begin Encrypting Searches & Outbound Clicks By Default With SSL Search und Google Puts A Price On Privacy
Joost de Valk auf SEObook: Google Whores Out Users With False Privacy Claims

{ 1 trackback }

Google killt Referrer | SEO Blog Österreich (eMagnetix, Klaus Hochreiter)
02.11.11 um 13:33

{ 10 comments… read them below or add one }

1 Bernhard 24.10.11 um 14:32

Tatsächlich kann ich mir auch kaum vorstellen, dass plötzlich Interesse besteht, die Privatspäre der User zu schützen. Während es in der Vergangenheit immer darum ging, möglichst viele Daten abzugreifen, wird auch hinter dieser Änderung das Eigeninteresse stehen. Wer wills dem Erfolgreichen verdenken, dass er weiterhin auf der Erfolgswelle schwimmen will?

2 Kim 26.10.11 um 20:27

Ich sehe das so wie Bernhard. Es liegt wohl kaum daran, dass die Privatsphäre der User geschützt werden soll. …..to be continued

3 Chris 27.10.11 um 09:58

Die Posts auf internetmarketing-news.de haben sich ganz schön rar gemacht in meinem Feedreader. Würde mich freuen wieder regelmäßiger etwas von imn zu hören. Schöner Beitrag, Schelm wer böses bei denkt. ;-)

4 Albi 28.10.11 um 17:19

Total einverstand mit Bernhard und Kim. Wäre alles so schööön.

5 sx 31.10.11 um 13:08

zu – Google alles zum Schutz der Privatsphäre übernimmt – solange es nicht den Interessen von Google entgegensteht.

sehr richtig, sobald aber big g daran interesse hat, wird der datenschutz in die tonne getreten.

6 Andree Heidrich 10.11.11 um 11:22

Klassische Nebelbombe von Google! Man verschafft sich insgeheim einen riesen Wettbewerbsvorteil, indem man Drittnetzwerke auf die Tour ausknipst und seine eigenen Ambitionen im Display Advertising ausbaut und stärkt. Auf der anderen Seite kommuniziert man diese Aktion in der breiten Öffentlichkeit als Maßnahme für mehr Privatsphäre und Datenschutz. Wenn Google nicht den Ruf eines neurotischen Datensammlers hätte, könnte man als neutraler User fast geneigt sein zu glauben, dass Unternehmen würde die ganze Schose zu Gunsten der Nutzer initiieren. “Making search more secure” – aber bitte mit Sahne!

7 Bernd 10.11.11 um 15:56

Na ja, wie erreiche ich am besten eine Monopolstellung? Natürlich in dem ich Daten erfasse, die in dieser Form kaum eine anderes Unternehmen hat. Die Anteile der anderen Suchmaschinen in DE sind doch ziemlich gering.
Wenn ich dann anfange diese Daten interessierten Unternehmen zu verkaufen, verdiene ich mich schwindelig!
Und was will Google? Geld verdienen – schließlich ist das kein gemeinnütziges Institut.
Der große Aufhänger mit dem Datenschutz ist auch nicht schlecht gemacht. Hoffentlich kriegt man trotzdem aus den eigenen Logfiles noch genug Informationen, schließlich kommt nicht jeder Besucher über Google.

8 Max 14.11.11 um 10:59

Ich schließe mich da an. Den Tag werde ich wohl nicht mehr erleben wo Google die Privatsphäre von Usern schütz. Dafür werden die Regierungen schon sorgen, die auf die Auskünfte von Google stark angewiesen sind.

Max

9 Willi 22.11.11 um 07:35

Google macht doch nichts anderes als Daten zu sammeln und diese aufzubereiten. Das ist nun mal deren Geschäft. Privatsphäre ist wichtig und schützenswert aber das ist beispielsweise unsere Umwelt auch – dennoch haben wir (fast) alle ein Auto und tragen täglich zur Umweltverschmutzung bei. Jede Technologie hat auch seine Schattenseiten. Der bewusste Umgang damit ist aus meiner Sicht der Schlüssel.

10 fewo-web 28.11.11 um 18:55

Na ja, jeder der im Internet eine .de tld hat und irgend etwas nicht ganz privates dort veröffentlicht oder vermarktet, stellt seine privaten Daten ins Internet. Früher war es sogar so, dass jeder der ein Telefon hatte in einem Telefonbuch mit Namen, Adresse und Telefonnummer eingtragen war. Also hat sich an der Privatsphäre eigentlich nur das automatisierte Auslesen geändert. Aber dafür gibt es einen Spam-Filter ;)

Die Umweltverschmutzung wird auch nicht nur durch die privaten Fahrzeuge verursacht, frage doch mal einen Spediteur, warum er seine Güter nicht mit der Bahn transportieren lässt :D
Und dazu kommen die Flugzeuge, die nicht nur die Waren sondern auch die Touristen durch die Gegend befördern und recht viel zur Umweltverschmutzung beitragen. Aber deshalb auf den Urlaub auf Malle oder den Kanaren verzichten?

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