Die Content-Flut: Demand Media und Co.

by Jojo on 20.04.10 · 6 comments

in Sonstiges

Demand Media ist ein ganz interessantes “Konzept” und da ich mir dass einmal näher anschauen wollte hab ich daraus gleich mal einen kleinen Blogbeitrag gemacht:

Demand Media ist wohl das bekannteste Beispiel für die neuen Contentschmieden die mit einer großen Anzahl an Schreibern das Internet mit Inhalten nahezu überfluten. AOL versucht sich an etwas ähnlichem. Ein wichtiger Teil des Geschäftskonzeptes ist billig zu produzieren und zu verbreiten. Ziel ist es vor allem Google Inhalte anzubieten und mit Besuchern belohnt zu werden. Dabei wird insbesondere auf den Longtail abgezielt.

Demand Media
Demand Media ist sicherlich der bekannteste Spieler in diesem Bereich. Mit einer deutlich dreistelligen Millionensumme finanziert verfolgt man das bereits beschriebene Geschäftskonzept. Hinzu kommt, das Demand Media alt eingessene und gut verlinkte Domains gekauft hat und dank dieser gut und relativ einfach bei Google mitspielen darf. Aaron Wall hat sich zu dem Thema gewohnt meinungsstark ausgelassen. Daneben versucht man sich auch selber am Linkbuilding …

Demand Media produziert täglich über 4.000 Artikel und Videos. Man strebt aber die monatliche “Produktion” von über 1 Million “Inhalten” an. Die Inhalte werden von tausenden freiberuflichen Textern und Filmern produziert. Ein Algorithmus gibt vor zu welchen Themen Inhalte produziert werden sollen. Wichtige Faktoren sind hierbei das Suchvolumen, die Konkurrenzsituation und die mögliche Höhe der Werbeeinnahmen. Die Bezahlung beträgt etwa 20 $ für ein Video und 15 $ für einen einige hundert Wörter umfassenden Texte. Andria Krewson gibt in einem Gastbeitrag auf ReadWriteWeb einen guten Einblick in Demand Media aus Autorsicht: What It’s Like To Write For Demand Media: Low Pay But Lots of Freedom.

Seiten von Demand Media sind unter anderem ehow, GolfLink, Cracked, Mania und noch einige mehr. Demand Media hat einige Domainportfolios gekauft und dürfte einige dutzend nennenswerte Seiten betreiben. Auch die Domain ehow.de befindet sich schon länger im Besitz von Demand Media. Ein Deutschlandstart von Demand Media wurde noch für dieses Jahr angekündigt. Muss man allerdings nicht unbedingt unter ehow.de erwarten …

Neben dem Betrieb eigener Seiten will Demand Media auch mit den “traditionellen” Medien kooperieren und für deren Onlineangebote günstige Inhalte liefern. So hat Demand Media eine Kooperation mit USA Today geschlossen. Reisecontent von Demand Media findet sich dort nun in der Rubrik Travel Tips. Dank des Domaintrustes für beide Seiten sicherlich ein spannender Deal. Ähnliche Kooperationen sind aber auch schon in Deutschland schon zu beobachten gewesen.

Daneben gehört zu Demand Media auch eNom – der zweitgrößte Domainregistrar (9 Millionen Domains). Mit ehow.co.uk hat man auch schon den Sprung über den großen Teich geschafft. Ein Start in Deutschland darf noch für das laufende Jahr erwartet werden.

Außerdem wurde kürzlich bekannt, das Demand Media den Gang an die Börse vorbereitet.

Was ist denn da neu?
Das Modell von Demand Media setzen SEOs schon seit Jahren um. Der größte Unterschied ist hier sicherlich die Skalierung, die mit einer Vielzahl an Schreiberlingen neue Maßstäbe setzt. Hinzu kommen neue Konzepte, wie der Algorithmus, der festlegt zu welchen Themen Content geschaffen werden soll.

Meinungen?
Von Aaron Wall kommt ja bereits eine sehr negative Meinung. Auch die FAZ sieht in Demand Media eher eine Resterampe. Natürlich übt dieses Geschäftskonzept auf die Zeitungen zusätzlichen Druck aus, denn Demand Media verzichtet auf das kostenintensive Nachrichtengeschäft und pickt sich die geldbringenden Perlen heraus. Ich mag mich nun nicht für Demand Media zu begeistern, aber ich möchte sie auch nicht verdammen. Sicher ist es eine “Content-Farm”, aber da gibt es durchaus welche am Markt die ähnliches mit schlechterer Content-Qualität machen. Wie man dass ganze aufgezogen hat und in welcher Größe ist in jedem Fall hochinteressant und bekommt in jedem Fall meine Anerkennung.

(Nach kurzem Nachdenken: Die Links hier gönn ich Demand Media mal nicht – daher nofollow.)

{ 1 trackback }

SEO und Contentfarmen: Wenn die Suchmaschine zum Maß aller Dinge wird | my-samani.de
19.01.11 um 18:42

{ 5 comments… read them below or add one }

1 Antje 21.04.10 um 09:51

das Konzept ist intelligent – ohne Frage – auch die Werbeeinnahmen werden beeindruckend sein, jedoch gruselt es mich, wenn ich sehe, wie das Internet weiter zugemüllt wird, Masse statt Klasse – erschreckend. Die SEOs dieser Welt werden sich anstrengen müssen, um da mitzuhalten, vor allem wenn sie auf Klasse statt Masse wert legen.

2 Olga Seminowski 14.05.10 um 16:30

@Sebastian: ich mag Google nicht mehr! es kann nicht nicht sein, dass Google selektiert wer erfolgreich und wer nicht erfolgreich wird! Welche Inhalte gut und welche nicht. Ich plädiere dafür, dass die EU endlich etwas dagegen unternimmt. Wie im Falle gegen MS Internet-Explorer.

3 Matze 30.06.10 um 17:43

salange es einnahmen gibt die sich lohnen wird google wohl nichts ändern,oder?

4 Sascha 02.07.10 um 22:59

Wenn man das Ganze mal von der wirtschaftlichen Seite betrachtet dann kann es Google herzlich egal sein woher der Inhalt kommt. Solange die User auf die Anzeigen klicken, verdient Google Geld. Ist bei mir ja nicht anders. Auf meinem Börsenblog verdiene ich auch eine Menge Geld mit Google, nur das ich meine Texte alle selber recherchieren und zusammenschreiben muss.
Schlussendlich werden sich aber die User irgendwann mal eingeprägt haben woher der Inhalt kommt. Dann haben wir neben der Bannerblindness vielleicht auch bald eine Demand Media Blindness.

5 Jürgen Schnick 01.09.10 um 09:35

Hallo Johannes, interessante Infos über Demand Media, das war in Summe für mich neu.

Als Blogger stellt sich mir natürlich sofort die Frage, hat das Auswirkungen und wenn ja welche? Wie @Antje oben ja schon geschrieben hat: noch mehr Müll-Content, von dem es eh schon viel zu viel gibt.

Nach einigem Überlegen bin ich zu dem Entschluß gekommen, dass das zwar ein genialer Marketing-Schachzug von Demand Media ist, aber letztendlich doch der User/Leser entscheidet, welches Suchergebnis er sich ansieht, welchen Content er wirklich liest. Also werde ich meinem Prinzip treu bleiben und weiter guten, hilfreichen Content produzieren. Qualität wird langfristig Quantität schlagen, das ändert auch Demand Media nicht (hoffentlich ;-) ).

Jürgen Schnick

Leave a Comment

You can use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Previous post:

Next post: