Ernsthafte Konkurrenz für Google? Wolfram, Twitter und Co

by Jojo on 10.05.09 · 11 comments

in Sonstiges

Microsoft wird zumeist ja als ärgster Google-Konkurrent gehandelt. In Kürze wird man dort wohl auch unter neuer Marke wieder zum Angriff blasen. Mal abwarten was daraus wird. Derweil formiert sich aber hier und da eine neue interessante Konkurrenz in Form von Spezialsuchmaschinen. Die können Google nicht schlagen, aber doch “anknabbern”. Aktuell machen Wolfram und Twitter in diesem Bereich Schlagzeilen. Da wir aber in den letzten 2-3 Jahren schon einige letztlich “total” erfolglose medial hochgepushte Angriffsversuche auf Google erlebt haben, möchte an dieser Stelle kurz die aus meiner Sicht vielversprechenden Ansätze von Wolfram und Twitter vorstellen.

Wolfram Alpha
Wolfram Alpha ist keine Websuche, sondern um es mit den Worten von Danny Sullivan zu sagen, eine “fact search engine”. Wolfram Alpha greift auf Datenbanken zu und versucht so das sogenannte “Deep Web” durchsuchbar zu machen. Ein Bereich in dem den traditionellen “Web-Suchmaschinen” schon lange Nachholpotential nachgesagt wird. Wenn man sich auf solche Datenbanken beschränkt, dürfte das Spam-Problem deutlich einfacher beherrschbar sein. Andererseits beschränkt man sich natürlich auf die Informationen, die sich in Datenbanken wiederfinden. So ist es mit Wolfram Alpha einfach Informationen zum Bruttoinlandsprodukt eines Landes zu finden. Diese sogar detailliert mit einem Chart dargestellt zu bekommen. Eine Suche nach “Geschenktipp zur Hochzeit” dürfte dagegen wohl gar kein Ergebnis bringen. Problematisch sehe ich daher vor allem, das Wolfram sehr stark auf Informationssuchen ausgerichtet ist. Das meiste Geld aber mit transaktionsorientierten Suchen gemacht wird. Eine “Cash Cow” scheint mir das nicht zu werden. Das wird den Suchenden aber natürlich nicht interessieren. Bisher konnte ich selber noch keinen Blick auf Wolfram werfen, bin aber davon überzeugt, dass man “gute” Ergebnisse liefern wird. Die für mich interessante Frage ist, zu wie vielen Suchen man überhaupt Ergebnisse liefern kann. Offziell wird Wolfram Alpha am 18. Mai an den Start gehen, vielleicht vorher schon verfügbar sein.

Twitter
Twitter – man kann es hassen oder lieben – vielleicht auch einfach nur verwundert betrachten und sich fragen wozu dieser Quatsch nun wieder gut sein soll. So ungefähr ging es mir auch lange. Vermutlich werde ich nie ein Top-Twitter-Nutzer, aber zumindest glaube ich, so langsam erkannt zu haben, warum viele in der Suche ein wichtiges Geschäftskonzept für Twitter sehen. Und warum Twitter trotz Angebote über mehrere hundert Millionen Dollar nicht verkaufen will. Denn Google hat ja bereits gezeigt, dass im Suchbereich derzeit immer noch das große Geld zu machen ist. Letztlich ist die ganze Kommunikation über Twitter nur Mittel zum Zweck für Twitter. Für sich alleine schwer zu monetarisieren und gleichzeitig im Betrieb “schweineteuer”. Die Daten in Form von Tweets und Links sind aber nützlich um eine extrem aktuelle Suchmaschine zu betreiben. Twitter hat kürzlich damit begonnen die verlinkten Seiten für die Suche zu indexieren. Ich habe mich selber kürzlich dabei erwischt, wie ich vor einer Kaufentscheidung bei Twitter nach Meinungen gesucht habe. Aber auch aktuelle Nachrichten werden auf Twitter teilweise schneller veröffentlicht als sie sich in den Nachrichten finden. Vorteile von Twitter gegenüber Google liegen für mich klar in der Aktualität und in der Vielzahl von persönlichen Meinungen und Einschätzungen. Wenn Twitter es schafft hier eine gute Suche anzubieten dürfte man schnell auf eine gute Anzahl Suchen und bei entsprechender Monterasierung auch auf Einnahmen kommen. Problematisch sehe ich vor allem, wie Twitter mit dem natürlich dann verstärkt aufkommendem Spam zurecht kommen wird …

Fazit
Wolfram und Twitter haben beide nicht das Potential Google zu ersetzen, aber sie können beide in Teilbereichen Google Marktanteile abnehmen. Vermutlich nicht in einem allzu großem Ausmaß, aber doch so, dass deutlich wird, dass man nicht immer alles nur “googeln” muss und dass es zu Google durchaus Alternativen geben kann. Wenn schon alleine diese Botschaft bei den deutschen Suchenden ankommen würde … ;-) Preisvergleiche zeigen heute ja auch schon, das Google nicht bei allen Suchen die erste Wahl sein sollte.

{ 1 trackback }

Twootles - Google und Twitter gleichzeitig durchsuchen | Wuensch-Media
12.05.09 um 00:08

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1 Badratgeber 11.05.09 um 09:27

Sind alle gute Projekte die Google wirklich ernsthaft etwas anhaben können. Den Sie sind Google in ihrem Gebiet weit vorraus. Ich Frage mich nur ob nicht Google eines Tages nicht doch seine eigene Dienste bzw. eine Dienst Kauf Serie startet und diese Konkurrenz wieder vom Markt verschwindet, weil Google es zu heiß wurde. Fest steht das niemand eine Chance derzeit gegen Google hat um mit Google zu konkurrieren wird es Jahre dauern bis es ein Dienst schaffen könnte, aber dafür brauch er dann wiederrum sehr viel Glück und Geld…

2 J 11.05.09 um 10:33

Wow,
so lange Beiträge von dir sind ja eher eine Seltenheit. Bitte mehr davon!

3 Max 11.05.09 um 11:26

Schöner Artikel. Ich bin da aber noch ein wenig skeptisch, wie viele (“Normale”) wirklich Twitter nutzen zum Beispiel im Bezug auf Kaufentscheidung usw. denn auch Technorati halte ich für ein relativ gutes Werkzeug für aktuelle Informationen, aber wer nutzt das schon groß im deutschen Raum?

4 Michael 11.05.09 um 18:19

Danke für diesen super Beitrag. Ich glaube allerdings das die Marktanteile nicht allzugroß sein werden die Wolfram und Twitter abzweigen können und Schuld daran ist das Branding von Google und die meisten “Internetuser” zu bequem sind zu wechseln solang es nicht wirklich notwendig ist.

5 Franz 11.05.09 um 20:15

Ich denke, je laenger Leute Suchmaschinen benutzen und ab und zu merken, dass nicht alle Suchergebnisse gelistet werden, um so eher werden sie Alternativen nutzen wie Meta-Suchmaschinen, spezialisierte (PDF-Sucher etc.) . Und Google ird andererseits nicht untaetig sein, und entweder Konkurrenten nachahmen oder … aufkaufen. Nichts nuetzen wird das auch in hundert Jahren bei Inhalten, die nur registrierten Nutzern zugaenglich sind, oder, wie mancher Bibliothekskatalog, erst durch aktive Abfrage ueber Formular Ergebnisse zum Besten geben. Hier liegt noch ein weites Feld. Ausserdem wird es Zeit, dass Search Engines auch nicht verlinkte Seiten untersuchen, etwa, indem sie regelmaessig alle Domain-Namen, die irgendw registriert sind, abgrasen, auch wenn dort keinerlei Backlinks hinverweisen. Bisher sieht man bestenfalls 30% des gesamten Internet ueber Suchmaschinen, schaetze ich.
Was zusaetzlich fehlt, ist, dass nicht nach allen Synonymem gesucht wird; wer also das “falsche” Suchwort eingibt, geht eer aus. Was Wolfram und andere beisteuern werden ist, dass zur Suche nach “Muell” auch “Schrott, Abfall, Entsorgung” etc. gefunden wird (vgl. DORNSEIFs Wortschatz der deutschen Sprache und andere Thesauri).

6 Sebbart 11.05.09 um 20:50

Super Artikel danke. Aber ich glaube es wird sehr schwer für Twitter und co. Google hat einfach eine zu großeMonopol stellung bei der Suche im Internet.

7 lemming 12.05.09 um 14:09

Das Benutzerverhalten kann man leider nicht so schnell ändern. Auch wenn das Produkt besser ist, ist die Marktdominanz von Google schon extrem weit ausgebildet. Bestes Beispiel: Der Firefox-Browser vs. IE.

8 Jochen Siegle 13.05.09 um 09:29

Heute sind wieder neue comscore-zahlen zur twitter-nutzung veröffentlicht worden. demnach hält das Micro-Blog-Fieber weiter an: Alleine im April ist Twitter.com in den USA wieder um 83 Prozent auf 17 Millionen Besucher gewachsen. Man darf gespannt sein, wie sich das Wachstum international entwickelt hat.
Siehe: http://www.techfieber.de/2009/05/13/twitter-fieber-micro-blog-boom-halt-an-twitter-wachst-83-prozent-im-april/

9 Robert 14.05.09 um 20:29

Super Artikel danke. Aber ich glaube es wird sehr schwer für Twitter und co. Google hat einfach eine zu großeMonopol stellung bei der Suche im Interne

10 Dirk 06.07.09 um 14:39

Google ist eine Institution, die alle User kennen. Selbst wenn Twitter, Wolfram und Co. das Internet künftig aufmischen, glaube ich dass Google bleibt. Wir sind doch alle so schön dran gewöhnt:-)

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