Spannendes Interview mit StudiVZ-Chef Marcus Riecke

by Jojo on 28.01.08 · 6 comments

in Web 2.0

Wer sich für den Kampf zwischen StudiVZ und Facebook interessiert, sollte das Interview mit StudiVZ-Chef Marcus Riecke lesen. Dabei kommen einige Punkte zur Sprache die klar waren, aber so bisher nicht öffentlich zu hören waren:

  • Konzentration auf Deutschland: Die Auslandstöchter werden erst einmal nicht weiterentwickelt. Man hat dort ja auch kaum Erfolg und liegt meist schon deutlich hinter Facebook, so dass dieser Schritt recht einfach vorauszusehen war.
  • Neue Softwarearchitektur: Ursprünglich war StudiVZ wohl ein ziemlicher Schnellschuss. Seit dem Start hat sich kaum revolutionäres getan, die neue Softwareachitektur soll dies ändern.
  • Applikationen: Dank neuer Softwarearchitektur wird es dann auch endlich Schnittstellen für externe Entwickler geben. Was genau bleibt abzuwarten. Sehr wahrscheinlich auch eine Open-Social-Schnittstelle. Riecke führt als Beispiel aber auch eine proprietäre API-Schnittstelle an.
  • Applikationen für alle? Nein, die Schnittstelle wird nur auf Anfrage freigegeben: “Wenn ein Entwickler auf uns zukommt, wollen wir vorab prüfen, ob diese Applikation zu unserer Produktstrategie passt.”
  • Noch ein Zitat: “Es kann durchaus sein, dass wir Applikationen, die wir mit einem externen Entwickler erarbeiten, für uns behalten wollen. Wenn wir eine tolle Idee haben, macht es Sinn, wenn diese Idee in einem anderen Netzwerk nicht funktioniert.” Hm, die Idee für eine App kommt in der Regel vom externem Entwickler. Was will StudiVZ da für sich behalten. Zumal, gute Idee ohnehin kopiert werden würden. Das sollte man bei StudiVZ wissen …
  • Man zeigt sich auf jeden Fall nicht so offen wie Facebook, dass jeden Entwickler einfach mal machen lässt und dann lediglich Regeln aufstellt, was erlaubt ist.
  • Zitat: “Wir werden unmittelbar nach dem Übergang auf die neue Softwarearchitektur unsere VZ-Markenfamilie in dem Segment oberhalb von StudiVZ erweitern.” Okay, SchuelerVZ, StudiVZ, nochEinVZ? Tolle Strategie. So können Studenten die StudiVZ nutzen, sich nicht mit Freunden verbinden, die noch zur Schule gehen und ehemalige Studenten haben keinen Kontakt zu den noch Studierenden, während diejenigen die gar nicht Studieren keinen Kontakt zu Schülern und Studenten haben können. Äh, ich zitiere: “Wir werden unmittelbar nach dem Übergang auf die neue Softwarearchitektur unsere VZ-Markenfamilie in dem Segment oberhalb von StudiVZ erweitern.”
  • Anzahl der Mitglieder: 7,5 Millionen. Ziel für Ende 2008: 14 Millionen.
  • Umsatz 2007: “einstelliger Millionenbetrag”, 2008 soll dieser verdreifacht oder vervierfacht werden.

Soweit, so gut. Oder auch so schlecht. Die Andeutung einer nicht offenen Applikations-Strategie ist enttäuschend. Nichts im Vergleich zur agressiven Facebook-Strategie, die es grade durch eine Javascript-Bibliothek noch einfacher machen, von externen Seiten auf Facebook-Daten zuzugreifen. Entsprechend ist auch das Echo in anderen Blogs: Exciting Commerce, neunetz, Magix

Nichtsdestotrotz werde ich mal schaun, ob mich StudiVZ beim Thema Applikatonen mitspielen lässt. Ideen sind genug vorhanden. Es wäre auch kein so großer Aufwand eine meiner Facebook-Applikationen umzuarbeiten. Durch die Entwicklung eines Google Gadgets sind bei mir auch schon erste Erfahrungen in Richtung Open Social vorhanden. Letztlich wird Facebook dieses Jahr wohl eine Menge Druck auf StudiVZ aufbauen, aber Sie werden Deutschland sicherlich nicht im Sturm übernehmen.

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1 Florian 28.01.08 um 17:00

Es ist erschreckend, wenn man sich erst einmal mit Facebook beschäftigt hat bzw. dort regelmäßiger User ist, was für ein “Schrott” oder besser gesagt Sandkasten StudiVZ im Vergleich zu Facebook ist. Dazu passt mal wieder die “hinkende” Strategie der eingeschränkten Applikationen. Ich sehe nur leider das Problem für Facebook in Deutschland, dass sich viele sagen werden, warum soll ich zu Facebook, ich bin doch schon bei StudiVZ und dort habe ich auch alle meine Freunde. Genau diese Reaktion erhalte ich zur Zeit von vielen Bekannten, denen ich von Facebook erzähle. Das Motto, ich brauche nicht noch eine social community. Ich hoffe, Facebook wird trotzdem ein Erfolg in Deutschland. Das mit dem nächsten Segment der VZ-Markenfamilie habe ich nicht wirklich verstanden?! Da kommt doch sicher als nächstes sowas wie “StayFriendsVZ” also ein DachVZ?!

2 Jojo 28.01.08 um 17:03

So wie ich es verstanden habe kommt ein weiteres VZ für alle die nicht in die ersten beiden passen. Dann soll aber wohl auch ein Datenaustausch zwischen neuem VZ und StudiVZ stattfinden, so dass man auf Wunsch auch dort mit einem Profil vertreten ist. Keine Ahnung wie weit dieser Austausch geht. Wirklich sinnvoll wäre das erst, wenn die Nutzer auch die gleichen Gruppen nutzen könnten, usw …. Finde ich zumindest.

3 Kommentator 28.01.08 um 20:34

1.) StudiVZ.net hat den Nachteil das es sich nicht so geöffnet hat wie Facebook.
Andersherum wäre es auch ziemlich schwer geworden in Deutschland. Den gerade als deutsches Unternehmen muss man, um in der Öffentlichkeit gut dazustehen, das Thema Datenschutz sehr groß schreiben.
Internationale Unternehmen werden nicht so hart dran genommen. :-)

2.) Facebook lebt nur von den kostenlosen Dritt-Anwendungen. Diese sind aber nicht immer berauschend und vor allem für die Entwickler nicht immer lohnenswert. Gerade Web 2.0 Unternehmen,die Ihren Dienste auch als Fb Anwendung anbieten, leiden unter Besucherschwund.

3.) Aufgrund der ganzen kostenlosen APIs entstehen in den letzten paar Jahren sehr viele Anwendungen, die eigentlich keinen Sinn mehr haben, sondern nur erstellt werden, damit sich der Ersteller als Programmierer schimpfen darf. Die Blogosphäre, die alles hochlobt, tut sein übriges dazu.
So viele “Entwickler” wie es sie zurzeit gibt, die aber aufgrund ihrer Ausbildung / ihres Studiums eigentlich keinen Programmier-Background haben, habe ich noch nie gesehen. Selbst nicht 1999-2001.

Und die wenigsten Anwendungen werden auch genutzt. Also hat StudiVZ es eigentlich nötig sich für Drittanwender zu öffnen.
Man muss ja nur sehen, wie wenig Google-Dienste ein Durchschnitts-Internetuser wirklich nutzt.

4.) Bei der Domain personenVZ.net wurden vor ein paar Tagen die Whoisdaten geändert. Nur ist wohl ein Provider mit Sitz in Berlin der Inhaber. Mal schauen was daraus wird.

4 Bernd 28.01.08 um 21:31

*gaehn*
Nach 2 Jahren endlich mal was neues außer gehackte Daten und sonstige Schreckensmeldungen? StudiVZ ist am Boden. Die armen Idioten, die jetzt zu Facebook überlaufen. Wegen neuer AGBs und so. Kann von denen keiner Google benutzen und findet die ganzen Horrormeldungen über Facebook auf heise.de? Achso, Internetrecherche wird ja an der Uni nicht gelehrt.

5 yi 29.01.08 um 00:57

>>Anzahl der Mitglieder: 7,5 Millionen. Ziel für Ende 2008: 14 Millionen.

Wieviele Studenten gibts in Deutschland insgesamt? 2002 warens nur 1,6 Mio…

6 Mc-S 29.01.08 um 09:04

Ich mein das irgendwo berichtet wurde das in Deutschland, Österreich und Schweiz insgesamt 3,5 Millionen Studenten vorhanden sind.
Aber ich als “nicht-Student” bin da auch angemeldet. Und natürlich in der Gruppe “Ich studiere gar nicht – bin aber trotzdem im Studi-VZ!” :-D

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